Geduld wird belohnt

Geduld ist nicht nur die Fähigkeit zu warten, sondern es geht um unsere innere Einstellung, während wir warten. Geduldig sein bedeutet mit seinen Wünschen und Sehnsüchten zu leben und diese bewusst zurückzustellen, was jedoch bei vielen mit einem Leiden verbunden ist. Um dieses zu verringern oder gar zu verhindern, bedarf es mit sich selbst, seinem Inneren in Kontakt zu sein und vor allem, im HIER UND JETZT zu leben.

Leider ist dies leichter gesagt als getan. Anstatt den Moment zu erleben, sind wir im Gedanken immer in der Zukunft, immer voraus, immer in der Erwartung wie etwas zu sein hat. Oder, wir sind mit unseren Gedanken in der Vergangenheit, in der Erinnerung an vergangene Zeiten, so sollte es wieder sein oder so will ich es nicht mehr. Diese Gedanken bringen Unruhe mit sich, wenn nicht sogar Trauer oder Wut. In diesen Momenten sind wir weit weg, weit weg von einem Erleben des Augenblicks, vom Wahrnehmen all des Schönen und der Wunder, die in jeder Sekunde um uns geschehen.

Auch ich durfte diese grosse Lektion lernen und meine Erfahrungen mit Geduld und Ungeduld machen, über welche ich Euch heute berichten möchte.

Vielleicht kennt der ein oder andere bereits vom Hörensagen meine Geschichte mit meinem Wallach „Pan“.

Pan kam vor 3 Jahren zu mir. Gesehen, verliebt gekauft und ich konnte kaum abwarten, ihn zu uns in den Stall nach Liechtenstein zu holen. Die ersten Tage waren toll, er machte alles mit, passte sich an und ich wiegte mich in dem Gedanken, mein Traumpferd gekauft zu haben.

Aber diese Stimmung war trügerisch. Es dauerte nicht lange, als Pan anfing sich zu widersetzen, er wurde temperamentvoller, er stellt alles auf dominante Art und Weise in Frage und ich war bald mit meinem Pferde-Latein am Ende. Also holte ich mir Hilfe. Ich buchte erfahrene Ausbilder. Zusammengefasst bekam ich, nachdem ich viel Zeit und Geld investiert hatte, diese Aussagen zu hören: „Der muss weg!“, „Der ist gefährlich“, „So ein Reiter wie du, sollten sich erst gar kein Pferd kaufen“. Ich war traurig, am Boden zerstört, es machte keine Freude mit Pan etwas zu unternehmen und wieder war ich ratlos.



Aber jede Krise birgt auch eine Chance und meine war der Beginn meiner Ausbildung bei Sandra König. Eine einjährige Ausbildung in der „Talenteschmiede“, welche ich mit meinen beiden Pferden absolvierte.

Am Anfang lief es super. Die ersten vier Wochen kam von Pan ein Thema nach dem anderen auf den Tisch, welches ich bearbeiten durfte. Pan legte ein Tempo vor, dass ich das Gefühl bekam, „auf Wolke 7 zu schweben“. Super dachte ich, wir sind auf dem richtigen Weg, jetzt habe ich/wir es geschafft. Haha, kann ich da nur sagen, denn bald begann wieder das gleich Spiel wie zuhause.

Heute weiss ich, bei einem Pferd sollte man nie annehmen, etwas geschafft zu haben und es in eine Schublade ablegen oder eine Haken daran setzen und es als erledigt ansehen. Achtsamkeit und Dankbarkeit sind die beiden grossen Themen, die wir im täglichen Umgang mit ihnen, ich würde sogar sagen immer, auf dem Schirm haben sollten. Ich hatte von Pan zu lernen, dankbar für jeden Augenblick zu sein, den ich mit ihm zusammen war. Dankbar zu sein, für jede Lektion oder jedes Thema, das er mir aufzeigte, in dem ich mich üben und weiter entwickeln durfte. Achtsam zu sein, für die kleinen Dinge, die er mir mitteilte, diese nicht zu übersehen oder gar zu übergehen. Aber wo war ich zu dem damaligen Zeitpunkt? Nur im Kopf! Gedanken wie, ich werde erfolgreich sein, ich werde es den anderen zeigen, dass ich es schaffe und sie Unrecht hatten, beherrschten mich. Ich war auf dem falschen Weg, weit weg von einer harmonischen Beziehung mit Pan, basierend auf Vertrauen und Empathie. Ich habe ihn benutzt, ich wollte von ihm mein Bedürfniss erfüllt haben sagen zu können: „Schaut alle her, ich und der tolle Pan. Ich beherrsche dominante 500 Kilo, wie er mir folgt, wie er hört, ich habe alles unter Kontrolle“.

Vielleicht könnt ihr Euch schon denken, wie es weiter ging. Pan setzte nun täglich noch eins oben drauf. Desto mehr ich mit dieser falschen Einstellung unterwegs war, desto aggressiver wurde er. Pan fing an nach mir zu schnappen und zu beissen. Er riss sich bei jeder Gelegenheit los und trat nach mir aus. Ein auf die Weide führen war zum täglichen Überlebenskampf geworden. Meine Gefühle schossen zwischen Angst, Trauer und Wut hin und her. Ich stand meist tränenüberströmt vor Pans Box und wusste nicht mehr weiter. Aber ein Eingestehen und Zugeben, dass ich nicht mehr kann, dass ich Angst habe, kam nicht in Frage. Aufgeben war früher für mich NIE eine Option. DochPan liess nicht locker, diese Lektion hatte ich zu lernen. Es ging so weit, dass es wirklich lebensgefährlich wurde und ich mich entschied, meine Ausbildung mit ihm abzubrechen. Pan lehrte mich, STOP zu sagen. Mir einzugestehen, dass es Zeit war umzukehren, sich auf das zu besinnen, was ich eigentlich wollte, eine harmonische Beziehung, im Hier und Jetzt. Ich musste diesen Weg verlassen. Somit brach ich meine Ausbildung mit Pan ab, brachte ihn nach Hause ins Liechtenstein und setzte diese mit meiner Stute Palucca fort.

Nach dem Ende meiner Ausbildung kam ich zurück und stand wieder vor Pans Box. Ich wusste, den zuletzt mit ihm eingeschlagenen Weg wollte und konnte ich nicht mehr gehen. Ich musst alles loslassen und von Neuem beginnen. Jeden Gedanken, etwas von ihm zu wollen, jeden Gedanken, mit ihm irgendetwas erreichen zu wollen, musste ich loslassen. Selbst auf die Gefahr hin, dass es nicht funktionieren sollte mit uns beiden. In diesem Fall versprach ich ihm, ihn auf eine Altersweide zu bringen und für den Rest seines Lebens für ihn zu sorgen und sicherzustellen, dass keiner mehr etwas von ihm wollte.

Von da an versorgte und kümmerte ich mich mehrere Monate nur noch um ihn, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, was irgendwann werden wird. Ich hatte ja eine Lösung für uns, eine Lösung, die für mich und auch für Pan stimmig war und sich gut anfühlte. Der Druck war weg, wir waren einfach zusammen, genossen jeden Moment. Ich fühlte mich aufgehoben in der Mitte meiner beiden Pferde, war dankbar für die Zeit, die ich mit ihnen verbrachte.

Und dann verändert sich plötzlich etwas. Pan fing langsam an meine Nähe zu suchen. Er kam mir achtsam entgegen, war nicht mehr dominant. Als ich den Stall betrat, egal zu welcher Tageszeit, begrüsste er mich stürmisch und hielt nicht inne, bevor er meine volle Aufmerksamkeit hatte. Wenn ich meine Stute aus der Box holte, drängte er sich vor und wollte der Erste sein. Es fühlte sich an wie „ Nimm mich zuerst“ „Ich will auch„. Wir fingen an spazieren zu gehen, was früher unmöglich war. Wir verbrachten viel Zeit zusammen mit der Freiarbeit auf dem Bodenarbeitsplatz und ich fing an, mich auf ihn einzulassen, ihm zu vertrauen. Es entstand etwas, was schwer zu beschreiben ist. Eine Verbundenheit, eine gegenseitige Akzeptanz, ein Vertrauen in den anderen. Ein unbeschreibliches Gefühl, welches mit jedem Tag stärker und stärker wurde.

Und dann passierte das für mich bisher Unmöglich: Pan trug mich!

Auch wenn ich anfangs noch den Rekord im Absteigen hielt. Bei der kleinsten, nicht einschätzbaren Bewegung des Pferdes war ich unten. Und zum Thema Reiten müsst ihr noch wissen: Pan ist ein französischer Traber, Vollblutanteil, 12 Jahre seines Lebens lief er auf der Rennbahn, Erfahrungen mit Sattel, so gut wie keine.

Inzwischen habe ich mit Pan ein Pferd, von dem ich immer geträumt habe. Wir sind in einer Beziehung, in der Vertrauen, Respekt und Achtung grossgeschrieben wird. Wir sind zusammen und das macht uns glücklich. Ich spüre, wenn er unter mir zu tänzeln und sich aufzurichten beginnt und dabei abfragt: „Vertraust Du mir?“, „ Was willst Du von mir?“, „Bist Du im Hier und Jetzt?“. Und meine Antwort lautet, immer: „Ja, ich bin ganz bei Dir, ich vertraue Dir und freue mich über jeden Moment, mit Dir zusammen zu sein“.


Ich würde mir wünschen, dass meine Erfahrungen mit Pan Euch zum Nachdenken anregen. Nachzudenken und hineinzuspüren, ob der Weg den Ihr mit Eurem Pferd geht, der richtige ist. Ich wurde mehr als belohnt, weil ich lernte zu warten, den Dingen Zeit zu geben und mich in Geduld zu üben. Pan hat das von mir eingefordert und mich gezwungen meinen Weg zu korrigieren. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Vielleicht schreibt Ihr mir Eure Erlebnisse, teilt mir Eure Erfahrungen mit und vielleicht kann ich dem ein oder anderen mit meinen Erfahrungen weiterhelfen.

Ich wünsche Euch viel, viel Geduld mit Eurem Pferd.

Eure Sabine


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